Donnerstag, 2. Februar 2017

Elbphilharmonie Teil II – Haydn und Bartók

Ähnlicher Platz, andere Musik. Mit dem NDR Elbphilharmonieorchester habe ich das erste Orchesterkonzert in diesem Saal erlebt und muss sagen: Die Akustik hat wirklich zwei Seiten. Ich kann den vielen Journalisten nur zustimmen, dass jedes einzelne Instrument sehr klar rausgehört werden kann. Bei Haydn kann man die Cellostimme immer verfolgen. Sie wird von Nicolas Altstaedt sehr leidenschaftlich und dramatisch mit viel Fingerfertigkeit gespielt, immer etwas vor der Zeit. Und selbst die Harfe hört man bei Bartók als Einzelstimme gut raus. Das Publikum war unglaublich leise, besonders bemerkenswert, weil es sehr jung und leger war. Ich habe bei beiden Konzerten einige Menschen getroffen, die ich sonst noch nie in Konzertsälen gesehen habe. Hamburg hört bzw. guckt sich die Elbphilharmonie wirklich an. 
Das Orchester scheint an diesem Raum noch mal enorm zu wachsen. Da jede_r Einzelne zu hören ist, müssen alle ihr Bestes geben. Das tun sie auch. Beide Stücke waren wunderbar gespielt, der Haydn besonders im letzten Satz so schnell und trotzdem präzise-spritzig und die Musiker stellten beim Bartók ihre Einzelleistungen noch über die Akustik hinaus unter Beweis. Vom akkuraten und atemberaubend mit Spannung gespielten Schlagwerk bis hin zur nicht nur musikalisch sehr bewegten ersten Flöte.
Hengelbrock sagte für das Publikum sogar das zweite Stück und die Zugabe an, erzählte von Bartóks Reisen nach Nordafrika und den Einflüssen auf das Konzert für Orchester. Es sei nicht nur schön, dies aufzuführen, sondern notwendig. Diese Musik liegt ihm und dem NDR Elbphilharmonieorchester sehr.
Leider macht die Akustik Abstriche bei der sonst so geliebten Farbigkeit der Musik Bartóks. Das meiste klingt recht dumpf und kalt. Kein Schimmern, kein Glanz oder körperliches Spüren. Sehr distanziert. Die Musiker mühen sich ab, aber es klingt wie Partiturlesen. Die Lohnegrin-Zugabe zeigt allerdings noch einmal besonders, wie ein volles Orchester hier klingen kann. Das Blech profitiert von der Akustik und klingt warm und satt, nicht blechern. Solche Stücke passen in den großen Saal.
Nächstes Mal sitze ich hinter dem Orchester. Gern probiere ich mal ganz Oben aus, da sollte der Klang dann besser zusammenkommen. Wirklich laut im Sinne eines Fortes wird es jedenfalls nicht, wo ich saß. Der Haydn ist eigentlich schon zu dünn besetzt für die Saalgröße. Ich bin gespannt auf die Klangmöglichkeiten des kleinen Saals, die ich nächsten Monat mit Matthias Pintscher und den Lucerne Festival Alumni erleben darf.



NDR Elbphilharmonie Orchester
Nicolas Altstaedt Violoncello
Dirigent Thomas Hengelbrock
Joseph Haydn
Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur Hob. VIIb/1
Béla Bartók
Konzert für Orchester Sz 116
Richard Wagner
Lohengrin – Vorspiel zum 3. Akt

P.S.: Ich war mit einer älteren Dame dort und habe dadurch noch deutlicher festgestellt: für ältere Menschen, die noch laufen können, ist das Rauf und Runter eine Tortur. Die ewig langen Stolpertreppen kommen nicht in Frage. Es gibt keinen Fahrstuhl, der von oben ins Parkhaus fährt oder andersrum, man muss einmal komplett über die Plaza laufen, um den Fahrstuhl zu wechseln. Außerdem steht man sehr lange vor den Fahrstühlen an. Entweder ist man also fit oder im Rollstuhl und geduldig.

 

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