Sonntag, 4. Dezember 2016

Musik hat viele Formen

Pinocchio – wir erinnern uns alle an diese Geschichte. Heute ging mein inneres Kind in die Oper :) Mal zur Abwechslung mit ganz vielen anderen Kindern. Was für eine herrliche Atmosphäre das ist, wenn überall Kinder mit ihren Eltern und Großeltern in der Laeiszhalle sind. Die ganze Aufführung über war es sogar größtenteils ruhig, außer dass ein Junge, der noch viel zu klein war, verständlicherweise mehrfach „Papa, ich will nach Hause gehen“ sagte, dann aber auch gebannt am vorderen Sitz hing und zuschaute. Nerviger war die Mutter, deren Handy zwischendrin klingelte.

Musikalisch spielt die Komponistin (Gloria Bruni) mit vielen Klischees und schon Gehörtem. Einiges ist schön bildlich vorstellbar (Holz, Tänze etc.), anderes einfach nur Hintergrundmusik für die recht lustige Geschichte. Die Musik biete nichts Neues, aber auch nichts Störendes (außer einige hektische Stellen von Fuchs und Katze und das möchtegern Hip-Hop Stück „Spielzeugland“, was für klassische Instrumente besser komponiert hätte sein können). Die Hamburger Camerata spielt sehr schön und macht aus dem, was da ist, ein Erlebnis! Bis auf einen Kiekser in der Trompete gab es nichts auszusetzen. Die Bläser waren sehr schillernd und klar. Das ganze schien auch den Musikern Spaß zu machen. Frank Löhr dirigierte das Orchester wunderbar und spielte an einigen Stellen sogar mit (ließ sich den Dirigierstab klauen für Feuerholz, ging das Stück abwinkend auf eine Sängerin zu, die ihren Ton nicht beendete und lehnte den Kauf der alten Jacke von Geppetto ab) - Lustige Momente, die eine Gelassenheit des Dirigenten fordern, welche ich so erst einmal bei Spinosi mit der Zauberflöte erlebt habe.
Der Mädchenchor Hamburg singt wie immer präzise und locker. Alle Mädchen sind involviert und wecken dadurch noch mehr Interesse bei den zuschauenden Kindern. Katerina Fridland ist Pinocchio, spielt, singt und tanzt fantastisch. Maria Chabounia (Staatsoper Hamburg), Olga Privalova, Ralf Grobe und Joachim Gebhardt sind alle gute Sänger_innen, was auch die Erwachsenen erfreut. Leider ist das Gesprochene nicht ausreichend verstärkt und man hört vor allem das Gesungene.
Beschwingt mit einem Ohrwurm (abgedruckt auf dem Programm zum Mitsingen am Schluss) fahre ich nun zu einem Konzert, das eine ganz andere Seite der Musik zeigt. Bach, Bach, Bach oder wie Martin Bühler schrieb „All you can Bach“ :)
Martin macht seinen Masterabschluss mit diesem Konzert und spielt schon seit zwei Jahren an der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern. Bachs Passacaglia in c-Moll und die Triosonate in Es-Dur.: sehr schöne Stücke, toll gepielt auf einer flexiblen Orgel mit einem warmen Klang. Am Besten gefällt mir Duruflés „Prélude et Fugue sur le nom d’Alain“. Martin spielt mit Hingabe, Perfektion und gleichzeitig Gelassenheit. Das Publikum ist begeistert. Wie hätte der Tag schöner zu Ende gehen können.

P.S.: Ich hoffe, jetzt wieder öfter schreiben zu können. Leider ist durch einen Todesfall im mir nahen Menschenkreis und die traurigen Wochen der Krankheit davor einiges ausgefallen. Dieser Mann lebte von der Musik und für sie. Er schrieb viel und spielte überall. Konnte nie nein sagen und war durchaus dreimal an Heiligabend an der Orgel, obwohl er pensonierter Musiklehrer und nicht Organist war. Bis zum Ende machte er Musik und hörte in den letzten Tagen auch Bachs wunderbare H-Moll-Messe. Musik beschäftigt sich mit dem Existenziellen: Leben, Liebe, Tod. Möge Musik das Leben vieler bereichern und ihnen ein erfülltes Leben schenken! Einen schönen zweiten Advent allerseits!

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Pinocchio 
Musik: Gloria Bruni
Libretto: Ursel Scheffler
Hamburger Camerata
Mädchenchor Hamburg
Frank Löhr (Dirigent)
Laeiszhalle am 04.12.2016

Martin Bühler
Masterabschlusskonzert
Kulturkirche Altona am 04.12.2016

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